Die Anlagengruppen 2 und 3 gemäß HOAI 2009 umfassen die Wärmeversorgungsanlagen (AG 2) und die Lufttechnischen Anlagen (AG 3) eines Gebäudes. Der DIAL-Neubau wird annähernd in Passivhausbauweise errichtet und verzichtet komplett auf eine konventionelle Heizung bzw. Kühlung. Als grundlegend für die hohe Energieeffizienz des Gebäudes kann zunächst die markante und kompakte Gestalt des Gebäudes bezeichnet werden. Ein Gebäude, das zu seinem beheizten Bauwerksvolumen [V] kleine wärmeübertragende Umfassungsfläche [A] aufweist, hat geringere Transmissionswärmeverluste und ist somit energetisch effizienter. Der bauliche Wärmeschutz basiert im Wesentlichen auf einer 30cm starken Wärmedämmung der gesamten Gebäudehülle sowie einer Mehrfach-Isolierverglasung der Glasfassaden und Fenster. Der hochwertige bauliche Wärmeschutz, die Luftdichtheit der Gebäudehülle und die weitestgehende Wärmebrückenfreiheit des Gebäudes münden in eine komplexe Situation: Der geringe Restheizwärmebedarf im Winter kann fast vollständig über eine Lüftungsanlage mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung von bis zu 85% abgedeckt werden. Interne Wärmegewinne ergeben sich hauptsächlich aus Körperwärme, Abwärme von leistungsstarken Computern und der Beleuchtung, die theoretisch bis zu 50W/m² ausmachen kann. Anders sieht die Situation im Sommer aus. Hier führen eine verzögerte Transmission von Wärme in das Gebäude, solare und die o. g. internen Wärmeeinträge letztlich  dazu, dass die Raumtemperaturen im Gebäude kontinuierlich ansteigen. Damit stehen nicht die Heizlasten im Focus der Energieeffizienz, sondern die Kühllasten. Der minimale Restwärmebedarf im Winter bzw. der deutlich höhere Kühlbedarf im Sommer werden über umschaltbare (stufengeregelte) Wärmepumpen in Form einer Teilklimatisierung der Zuluft abgedeckt.

Schema

 

Dynamische Betriebsstrategien

Um das Gebäude jederzeit energieeffizient und komfortabel zu betreiben, ist es notwendig dynamische Betriebsstrategien mit Hilfe von Gebäudeautomation umzusetzen. Massive Decken und Außenwände sind dabei als thermische Speichermassen in das Energie- und Klimakonzept eingebunden, welches auf einer umfangreichen thermischen Simulation basiert. Hier sind vor allem automatische Funktionen raumlufttechnischer Anlagen wie beispielsweise nächtliche- oder freie Kühlungen zu nennen. Diese passiven (automatischen) Strategien setzen massive Bauteile voraus, die zur Verminderung von Kühllasten im Sommer aktiviert werden können und über massive Decken und Außenwände der Lochfassade realisiert werden. Die Aufheizung des Raumes verzögert sich und die Temperaturspitze wird erst in den späten Nachmittags- bzw. Abendstunden erreicht, wenn die Hauptnutzzeit des Gebäudes vorbei ist. Werden die Bauteile über die Lüftungsanlage des Nachts wieder entladen, bezeichnet man diesen Vorgang als passive Kühlung. Um die Speichermassen des Gebäudes vornehmlich zur Verminderung von Kühllasten im Sommer nutzen zu können, ist es wichtig, dass diese freiliegen. Die Installationsführung der technischen Ausrüstung erfolgt deshalb weitestgehend in einem Doppelboden. Von hier aus erfolgt auch die Einbringung der Zuluft in den Raum und Abführung der Abluft aus dem Raum. Diese Anordnung ist nicht Lehrbuchkonform und wurde deshalb strömungstechnisch simuliert.

Kanäle

Um die solaren- und internen Wärmeeinträge im Sommer sind so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig das Tages- und Kunstlicht so effizient und ergonomisch wie möglich auszubalancieren, ist ein dynamisches Lichtmanagement von Sonnenschutz (außenliegend) und Beleuchtung erforderlich.

 

Die Lichtplanung im DIAL Neubau

Die Lichtplaner von DIAL haben in ihrem eigenen Gebäude die DIAL Lichtplanungsphilosophie konsequent umgesetzt. Licht unterstützt die ergonomische Qualität, fördert das Wohlbefinden der Kollegen und steht im Einklang mit der Architektur.
Das Resultat ist eine Lichtplanung, die eine ganz klare Sprache spricht. Für jede Anforderung gibt es eine sorgfältig darauf abgestimmte Beleuchtungs-Komponente. Da es im Gebäude keine abgehängten Decken gibt, ist auch die formale Ausführung eine Herausforderung gewesen. Die Produktauswahl war ebenfalls nur der Erfüllung des Planungszieles unterworfen, die Leuchtmittelfrage LED oder nicht, war dabei untergeordnet. Das Bedienkonzept der Beleuchtung ist selbstverständlich ebenfalls made by DIAL.
Sie können sich die Veranstaltung nachträglich in unserem Online-Stream ansehen.

Link: Lichtplanung im DIAL Neubau

Die Markteinführung der neuen »eu.bac-Methodik« in Deutschland erfolgt offiziell auf der diesjährigen ISH Mitte März in Frankfurt. DIAL hat sich bereits im Vorfeld intensiv mit dieser Systemzertifizierung auseinandergesetzt und ist ab sofort als Independent Consulting Company registriert sowie als Auditor und Auditor Trainer autorisiert . Das Gebäudeautomationssystem im neuen DIAL Gebäude in Lüdenscheid hat mit 86 von 100 Systempunkten die höchste Klasse A+ erreicht. Aber was ist an dieser GA System-Zertifizierung wirklich dran?

Die eu.bac Methodik eröffnet die bisher seltene Chance, den Nutzen von Informationstechnologien nicht nur als eine Art „esoterische Randangelegenheit des Bauens“ wahrzunehmen, sondern auch für andere am Bau Beteiligte (Bauherrn, Architekten, Fachplaner usw.) greifbar zu machen und mehr ins Zentrum der Debatten und Entscheidungen um den technischen Fortschritt am Bau zu verschieben. Insofern ist die »eu.bac-Methodik« unserer Meinung nach nicht nur für „Extrem-Spezialisten“ nachvollziehbar, sondern steht erst am Anfang ihrer Möglichkeiten. Einen ersten Schritt in diese Richtung ist das zweitagige Basistraining zum »eu.bac System-Auditor« bei DIAL. Hier erfahren Sie mehr.

 

Since early March, DIAL is registered as an Independent Consulting Company with eu.bac System. In addition DIAL is authorised as an Auditor and Auditor Trainer with eu.bac System.The Building Automation System installed at the new DIAL Building in Lüdenscheid has scored the highest class A+ (86 out of 100 System points) to eu.bac System. Find more about eu.bac System here

Das der Einsatz von Informationstechnologien einen zentralen Beitrag zur Energieeffizienz eines Gebäudes leisten kann wird mittlerweile auch in der aktuellen DIN V 18599 »Energetische Bewertung von Gebäuden« – genauer in Teil 11 »Gebäudeautomation« – berücksichtigt und tritt mit der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft. Allerdings finden die entsprechenden Faktoren zur Reduktion thermischer und elektrischer Endenergie gängiger Gebäudetypen weder in der energetischen Gesamtbilanzierung nach DIN V 18599 eine ausreichende Berücksichtigung, noch in den führenden Gebäudezertifizierungssystemen wie BREEAM, LEED oder DGNB. Um diese Lücke zu schließen führt die »eu.bac« (european building automation controls association) ab 2013 eine neue Audit-Methodik für Gebäudeautomationssysteme ein. Die Effizienzklassen reichen von F bis A+ und werden über eine Skala von 0-100 Punkten bewertet, wobei für die höchste Effizienzklasse A+ mindestens 85 Punkten erforderlich sind.

Die Markteinführung der neuen »eu.bac-Methodik« in Deutschland erfolgt offiziell auf der diesjährigen ISH in Frankfurt. Als erstes herstellerunabhängiges und produktneutrales Trainingscenter bietet DIAL ab sofort das zweitägige Basis-Training zum »eu.bac System- Auditor« im neu errichteten A+ Gebäude in Lüdenscheid an. Das Wissen um Inhalt und Struktur der DIN EN 15232 wird dabei weitestgehend vorausgesetzt. Sollte ein Teilnehmer dieses Wissen nicht besitzen, hat er in der gleichen Woche die ideale Möglichkeit, sich zuvor im dreitägigen Seminar »Energie-Effizienz-Berater Gebäudeautomation« auf den Stand zu bringen.

Ende letzter Woche begann die Montage des neuen Drehspiegelgoniophotometers im Lichttechnischen Labor. Nach über einem Jahr planerischer und konstruktiver Höchstleistung nähert sich das neue Labor damit der Vollendung.Dabei wurde das Gerät im Vorhinein mechanisch und messtechnisch vollständig überarbeitet und bietet sowohl einen deutlich weiteren Funktionsumfang als auch eine in der Konzeption noch deutlich verbesserte Messunsicherheit. Erreicht wurde dies unter anderem durch den Einsatz modernster Antriebs- und Regeltechnik als auch der Ergänzung des bisherigen Fernfeldsensors durch mehrere Sensoren im Nahfeld, die zur Korrektur als auch zur Ermittlung von weiteren Daten und der Überprüfung aller erhobenen fotometrischen Daten dienen. Abgerundet wurde dies durch eine vollständige Neukonstruktion des Spiegels und der Spiegelaufnahme. In dieser Woche wurden alle mechanischen Komponenten des Goniometers angebracht und auf Funktion geprüft, an das System angebunden und grundlegend eingerichtet. Im Laufe der Woche wurden dann die regelungstechnischen Systeme auf die mechanischen Komponenten abgestimmt, so dass ein ruhiger und gleichmäßiger Lauf der eingesetzten Lampen oder Leuchten garantiert werden kann. In der jetzt folgenden Woche steht dann die Justage und Inbetriebnahme des Systems auf dem Programm, was sich aufgrund der exzentrischen Anordnung des Goniometers als besondere Herausforderung darstellt. Über die dabei gesammelten Erfahrungen und erste Bilder vom vollständigen Gerät, werden wir demnächst berichten.

Felix S.

Die Anlagengruppe 1 gemäß HOAI 2009 umfasst die Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen eines Gebäudes. Die Wasserversorgung erfolgt im DIAL-Neubau über den örtlichen WVU. Ausgehend vom Hausanschlussraum wird das Trinkwasser in die drei Geschosse verteilt. Einzige Besonderheit: Aufgrund der örtlichen Wasserqualität sind die vertikalen Steigleitungen in Edelstahl ausgeführt.  Im Wesentlichen werden Toiletten, Putzmittelräume und Küchen mit Wasser versorgt. In der Regel wird Trinkwasser über vollautomatische Armaturen zur Verfügung gestellt und durch dezentrale elektronische Kleindurchlauferhitzer moderat erwärmt. Nur im Wasch- und  Cateringbereich ist eine Gruppenversorgung (DLE) installiert.  Als Sanitärprozellan wurde die Serie “Vero” (Duravit) aufgrund Ihrer markanten und für alle erforderlichen Sanitärobjekte durchgängigen Formensprache ausgewählt und durch passende Sanitäraccessoirs ergänzt.

Die Abwasserentsorgung erfolgt über einen städtischen Mischwasserkanal. Hier wird auch das Regenwasser über einen Regenrückhaltespeicher eingeleitet. Diskutiert wurde die Platzierung der vertikalen RW-Fallrohre der Flachdachentwässerung (mit Gefälledämmung). Diese liegen weder vor- noch innerhalb der vorgehängten Metallfassadenkonstruktion sondern im Gebäudeinneren. Das Regenwasser wird hier an nur vier Punkten über ein Druckentwässerungssystem den Grundleitungen zugeführt.  Über den Cateringbereich wird später im Kontext des Innenausbaues in einer eigenen Reihe berichtet.

Letzte Woche fand das erste Seminar in unserem neuen Gebäude statt. Die neuen Räumlichkeiten waren Teil des praxisorientierten Seminares, welches u.a. Grundwissen über Licht, Wahrnehmung und Lichttechnik vermittelt. So haben die Teilnehmer während des Seminars Messungen und Beurteilungen in den neuen Büroräumen vorgenommen. Mit Abschluss des Seminares erlangten die Teilnehmer den Nachweis über die Teilnahme an einem Fachseminar gemäß BGG 917. Sie sind damit berechtigt, die künstliche Beleuchtung gemäß ASR A 3.4 an Arbeitsplätzen zu beurteilen und messtechnisch zu überprüfen. Viele Teilnehmer nutzten die Pausen, um sich allgemein über das Gebäude und sein Konzept zu informieren. Positiv überrascht waren die Teilnehmer insbesondere über das große Foyer mit Oberlicht und dessen Wohlfühlcharakter.

Bereits in der frühen Entwurfsphase 2008 entsteht der Gedanke, die Mitarbeiter in einem sinnvollem Maße am Planungsprozess partizipieren zu lassen. Dies geschieht in Form eines Fragebogens, dessen Ergebnisse den Entwurf flankieren sollen. So sind beispielsweise kleinere Büroeinheiten eher gewünscht als Grossraumbüros oder es zeigt sich mehr als deutlich, das die Mitarbeiter grundsätzlich auf die Möglichkeit bestehen, Fenster öffnen zu können. Eine weitere Präzisierung erfolgt dann im Rahmen der Bedarfsermittlung der Technischen Ausrüstung, die mit Hilfe einer umfangreichen Checkliste strukturiert durchgeführt wird. Hier stehen weniger technische Detailfragen im Mittelpunkt, sondern eher ökonomische, ergonomische und psychologische Aspekte. Also  auch Fragestellungen, aus denen sich letztendlich Inhalte für den Planungsprozess eines Gebäudes bzw. einer Technik ableiten lassen können:

  • Wer (welche Zielgruppen) sollen sich mit dem Gebäude bzw. mit seiner Technik identifizieren?
  • Womit (mit welchen Werten) identifizieren sich diese Zielgruppen?

Gängige psychologische Motivations- bzw. Wertemodelle (u.a. Schwartz) geben einen ersten Hinweis, wie die vorgenannten Fragen gezielt beantwortet werden können. Sie dienen gleichsam als Kompass mit dem deutlich wird, in welcher Richtung Identifikation überhaupt hervorgerufen werden soll:

Nach Auswertung der etwa 100 Fragen kristallisierten sich u. a. folgende Ansprüche an die technischen Systeme des Gebäudes heraus:

-Festes Budget (Kostenvorgabe als Obergrenze)
-Erwartung: Steigende Preise für fossile Energieträger, fallende Preise für Strom
-Leicht anpassbar an den Stand der Technik
-Image soll wesentlich durch den sinnvollen Einsatz modernster Technologien geprägt werden
-Innovativer, harmonischer Gesamteindruck

Auf dieser Basis wurde das Gebäude-System-Design (Technisches Gesamtkonzept) für den Neubau entworfen und in Anlehnung an HOAI 2009, Teil 4 Fachplanung, Abschnitt 2: Technische Ausrüstung, Anlagengruppen 1-8 ausformuliert. In den nächsten Beiträgen werden Konzept und Realisierung der einzelnene Anlagengruppen im Detail vorgestellt.